Wenn es akut wird
Ich kann die Mitarbeiter nicht mehr bezahlen – was tun?
Autor / fachlich geprüft von Dr. iur. Harald A. Schmidt
Veröffentlicht am 12. März 2026 · Zuletzt aktualisiert am 04. August 2026 · Lesezeit 7 Minuten
Können Löhne nicht mehr bezahlt werden, ist rasches und überlegtes Handeln entscheidend. Dieser Beitrag erklärt, welche Schritte jetzt sinnvoll sind.
Kurze Antwort
Kann Ihre Firma die Löhne nicht mehr zahlen, sollten Sie die Liquiditätslage sofort prüfen, offen mit den Mitarbeitern kommunizieren und rechtliche wie wirtschaftliche Beratung einholen. Ausbleibende Lohnzahlungen gelten häufig als deutliches Signal einer Zahlungsunfähigkeit und können Handlungspflichten der Geschäftsführung auslösen.
Kurz erklärt
- Ausbleibende Lohnzahlungen gelten oft als starkes Indiz für Zahlungsunfähigkeit.
- Transparente Kommunikation mit Mitarbeitern wirkt in der Praxis meist deeskalierend.
- Das Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF) kann in bestimmten Fällen offene Ansprüche absichern.
- Geschäftsführung sollte die Situation zeitnah fachlich prüfen lassen.
- Eine geordnete Vorgehensweise schützt sowohl Mitarbeiter als auch Unternehmen besser als Zögern.
Warum ausbleibende Löhne ein ernstes Warnsignal sind
Wenn eine Firma die Löhne der Mitarbeiter nicht mehr bezahlen kann, handelt es sich um eines der deutlichsten Zeichen einer ernsten Liquiditätskrise. Anders als bei manchen anderen Verbindlichkeiten betrifft dies unmittelbar die Existenzgrundlage der Beschäftigten, weshalb rasches und zugleich überlegtes Handeln besonders wichtig ist.
Für die Geschäftsführung bedeutet dies zunächst, die tatsächliche wirtschaftliche Lage ehrlich zu erfassen: Handelt es sich um einen einmaligen Liquiditätsengpass oder um ein strukturelles Problem? Diese Einschätzung ist Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.
Firma kann Löhne nicht zahlen: erste sinnvolle Schritte
Sobald absehbar ist, dass Löhne nicht fristgerecht ausbezahlt werden können, sollte die Geschäftsführung möglichst rasch fachliche Beratung einholen, um die Situation rechtlich und wirtschaftlich einzuordnen. Parallel dazu ist eine offene, aber sorgfältig vorbereitete Kommunikation gegenüber den Mitarbeitern in der Praxis meist sinnvoller als Schweigen oder Verzögerung.
Wichtig ist außerdem zu prüfen, ob und inwieweit das Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF) in einer möglichen Insolvenzsituation offene Entgeltansprüche der Arbeitnehmer absichern kann. Die konkreten Voraussetzungen und der Umfang einer solchen Absicherung sind individuell zu prüfen.
- Liquiditätslage sofort und ehrlich erfassen
- Fachliche Beratung zeitnah einholen
- Kommunikation mit Mitarbeitern sorgfältig vorbereiten
- Rolle des Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF) prüfen lassen
- Weitere Verbindlichkeiten in die Gesamtbetrachtung einbeziehen
Welche Rolle spielt der Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF)?
Der Insolvenz-Entgelt-Fonds dient dazu, offene Entgeltansprüche von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Fall einer Unternehmensinsolvenz unter bestimmten Voraussetzungen abzusichern. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede Form von ausbleibenden Lohnzahlungen sofort über den IEF abgedeckt ist – dies ist an ein Insolvenzverfahren und weitere Voraussetzungen geknüpft.
Für Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer ist es daher wichtig zu verstehen, dass der IEF kein Ersatz für eine frühzeitige Auseinandersetzung mit der eigenen Liquiditätslage ist, sondern ein Instrument innerhalb eines geordneten Verfahrens.
Wie geht man mit dem Team menschlich und rechtlich sauber um?
Neben den rechtlichen Aspekten spielt die menschliche Dimension eine große Rolle. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auf ihr Gehalt angewiesen sind, reagieren auf Unsicherheit oft empfindlich. Eine klare, ehrliche und möglichst zeitnahe Information über die Situation trägt in vielen Fällen dazu bei, Vertrauen zu erhalten, auch wenn die Nachricht selbst schwierig ist.
Gleichzeitig sollte die Kommunikation rechtlich sorgfältig vorbereitet werden, um keine unnötigen Zusagen zu machen, die später nicht eingehalten werden können. Eine Abstimmung mit fachlicher Beratung ist hier besonders empfehlenswert.
Praxisbeispiel
Beispiel aus der Praxis: Gastronomiebetrieb mit Liquiditätsengpass
Ein Gastronomiebetrieb in Wien geriet nach mehreren umsatzschwachen Monaten in eine Situation, in der die Löhne nicht mehr vollständig fristgerecht ausbezahlt werden konnten. Die Geschäftsführung wandte sich frühzeitig an INSOLVENZPILOT.
Gemeinsam wurde die Liquiditätslage analysiert, die Kommunikation gegenüber dem Team vorbereitet und die Frage geklärt, welche rechtlichen und wirtschaftlichen Optionen zur Verfügung stehen. Der weitere Verlauf hängt von der individuellen wirtschaftlichen Entwicklung des Betriebs ab.
Anonymisiertes, verallgemeinertes Beispiel zur Veranschaulichung. Jeder Fall ist individuell zu beurteilen.
Was sollten Sie jetzt tun?
- 01Prüfen Sie sofort und ehrlich die aktuelle Liquiditätslage
- 02Holen Sie rechtliche und wirtschaftliche Beratung ein
- 03Bereiten Sie eine klare Kommunikation gegenüber Mitarbeitern vor
- 04Lassen Sie die Rolle des IEF für Ihre Situation einschätzen
- 05Dokumentieren Sie getroffene Entscheidungen nachvollziehbar
Häufige Fragen zu diesem Thema
- Was bedeutet es, wenn eine Firma die Löhne nicht mehr bezahlen kann?
- Es handelt sich häufig um ein deutliches Anzeichen einer Zahlungsunfähigkeit. Die konkrete rechtliche Einordnung hängt von der Gesamtsituation des Unternehmens ab.
- Werden nicht bezahlte Löhne automatisch vom IEF übernommen?
- Der Insolvenz-Entgelt-Fonds kann unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen eines Insolvenzverfahrens offene Ansprüche absichern. Dies ist jedoch keine automatische Absicherung außerhalb eines geordneten Verfahrens.
- Sollte ich meine Mitarbeiter sofort informieren?
- Eine zeitnahe, sorgfältig vorbereitete Kommunikation wird in der Praxis meist besser aufgenommen als Verzögerung oder Schweigen.
- Habe ich als Geschäftsführer eine Handlungspflicht, wenn Löhne ausbleiben?
- Je nach Ausgangslage können sich rechtliche Pflichten ergeben. Die konkrete Situation ist individuell zu prüfen, idealerweise mit fachlicher Unterstützung.
- Kann das Unternehmen trotz Lohnrückständen weitergeführt werden?
- Das ist möglich, wenn eine tragfähige wirtschaftliche Perspektive besteht und geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Dies ist im Einzelfall zu prüfen.
Fazit
Ausbleibende Lohnzahlungen sind ein ernstzunehmendes Signal, das rasches, aber überlegtes Handeln erfordert. Mit fachlicher Begleitung lässt sich sowohl die rechtliche als auch die menschliche Seite dieser Situation strukturiert bewältigen.
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Quellen & weiterführende Informationen
Fachliche Prüfung: Dr. iur. Harald A. Schmidt – Unternehmenskrisen, Restrukturierung, Insolvenzbegleitung. Zuletzt aktualisiert am 04. August 2026.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick zum österreichischen Rechts- und Wirtschaftskontext und stellt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung dar. Die Beurteilung eines Einzelfalls erfordert eine Prüfung der konkreten Umstände; bei komplexen rechtlichen Fragen ist gegebenenfalls zusätzliche anwaltliche Beratung erforderlich.
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