Restrukturierung & Krisenmanagement
Was macht ein Krisenmanager in einem Unternehmen?
Autor / fachlich geprüft von Dr. iur. Harald A. Schmidt
Veröffentlicht am 23. Juli 2026 · Zuletzt aktualisiert am 24. August 2026 · Lesezeit 7 Minuten
Ein Krisenmanager analysiert die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens, entwickelt Sanierungsmaßnahmen und begleitet deren Umsetzung, um die Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.
Kurze Antwort
Ein Krisenmanager übernimmt in einem Unternehmen zeitlich befristet Verantwortung für die Bewältigung einer wirtschaftlichen Krise. Er analysiert Liquidität, Kostenstruktur und Organisation, entwickelt gemeinsam mit der Geschäftsführung ein Sanierungskonzept und begleitet dessen Umsetzung. Ziel ist es, die Zahlungsfähigkeit zu sichern und das Unternehmen wieder auf einen stabilen wirtschaftlichen Kurs zu bringen.
Kurz erklärt
- Krisenmanager arbeiten meist zeitlich befristet und projektbezogen
- Sie analysieren Zahlen, Prozesse und Organisation gleichermaßen
- Zentrale Aufgabe ist häufig die Sicherung der Liquidität
- Krisenmanagement wird auch als Turnaround-Management bezeichnet
- Externe Krisenmanager bringen oft mehr Verhandlungsdistanz zu Gläubigern mit
Krisenmanagement im Unternehmen: Rolle und Zielsetzung
Krisenmanagement im Unternehmen bezeichnet die gezielte Steuerung eines Betriebs in einer wirtschaftlich schwierigen Phase. Ein Krisenmanager wird typischerweise dann eingesetzt, wenn interne Ressourcen oder Erfahrung nicht ausreichen, um eine Krise mit der nötigen Geschwindigkeit und Distanz zu bewältigen.
Die Rolle unterscheidet sich von der klassischen Unternehmensführung durch den engen zeitlichen Rahmen und den klaren Fokus auf Stabilisierung und Sanierung. Häufig arbeitet der Krisenmanager eng mit der bestehenden Geschäftsführung, den Gesellschaftern und externen Beratern zusammen.
Typische Aufgaben eines Krisenmanagers
Die konkreten Aufgaben variieren je nach Unternehmen und Krisenstadium, folgen aber meist einem ähnlichen Grundmuster: Analyse, Konzeption, Umsetzung und Kontrolle.
- Analyse der Liquiditäts-, Ertrags- und Vermögenslage
- Erstellung oder Aktualisierung einer kurzfristigen Liquiditätsplanung
- Identifikation von Kosteneinsparpotenzialen und Ertragschancen
- Verhandlungen mit Banken, Lieferanten und weiteren Gläubigern
- Kommunikation mit Mitarbeitenden, Gesellschaftern und gegebenenfalls Behörden
- Steuerung der Umsetzung des erarbeiteten Sanierungskonzepts
Interner oder externer Krisenmanager?
In manchen Fällen übernimmt ein Mitglied der bestehenden Geschäftsführung die Rolle des Krisenmanagers, in anderen Fällen wird gezielt eine externe Fachperson auf Zeit eingesetzt. Externe Krisenmanager bringen häufig den Vorteil einer unabhängigen Außensicht sowie Erfahrung aus vergleichbaren Situationen mit.
Gleichzeitig ist die enge Zusammenarbeit mit der bestehenden Organisation entscheidend, da Insiderwissen über Kunden, Lieferanten und interne Abläufe für eine erfolgreiche Sanierung unverzichtbar ist. Häufig bewährt sich daher eine Kombination aus externer Steuerung und internem Know-how.
Wann der Einsatz eines Krisenmanagers sinnvoll ist
Ein Krisenmanager kommt typischerweise dann zum Einsatz, wenn sich die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens spürbar verschlechtert hat, die bestehende Führung jedoch nicht über die notwendige Zeit, Erfahrung oder Distanz für eine rasche Sanierung verfügt. Auch bei Konflikten zwischen Gesellschaftern kann ein neutraler Krisenmanager hilfreich sein.
Praxisbeispiel
Beispiel aus der Praxis: Familienunternehmen im Handwerk
In einem inhabergeführten Handwerksbetrieb führten gestiegene Materialkosten und ein Auftragsrückgang zu erheblichem Liquiditätsdruck. Die Geschäftsführung entschied sich, für einen befristeten Zeitraum externe Unterstützung im Krisenmanagement einzubinden.
Gemeinsam wurden die Zahlen analysiert, eine kurzfristige Liquiditätsplanung erstellt und Gespräche mit der Hausbank geführt. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung hing letztlich von der konsequenten Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen ab.
Anonymisiertes, verallgemeinertes Beispiel zur Veranschaulichung. Jeder Fall ist individuell zu beurteilen.
Was sollten Sie jetzt tun?
- 01Verschaffen Sie sich einen ehrlichen Überblick über die aktuelle Liquiditätslage
- 02Prüfen Sie, ob interne Kapazitäten für eine Krisenbewältigung ausreichen
- 03Ziehen Sie bei Bedarf frühzeitig externe Unterstützung hinzu
- 04Definieren Sie klare Verantwortlichkeiten für die Krisenbewältigung
- 05Sorgen Sie für transparente Kommunikation mit Mitarbeitenden und Gläubigern
Häufige Fragen zu diesem Thema
- Ist ein Krisenmanager dasselbe wie ein Insolvenzverwalter?
- Nein. Ein Insolvenzverwalter wird gerichtlich bestellt und agiert im Rahmen eines Insolvenzverfahrens nach gesetzlichen Vorgaben. Ein Krisenmanager wird hingegen häufig bereits vor einer Insolvenz privatwirtschaftlich beauftragt, um eine Krise zu bewältigen.
- Wie lange dauert ein typischer Krisenmanagement-Einsatz?
- Die Dauer hängt stark vom Einzelfall ab und reicht von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten, teilweise auch länger, wenn umfassende Restrukturierungsmaßnahmen begleitet werden.
- Übernimmt der Krisenmanager die Geschäftsführung?
- Das ist unterschiedlich geregelt und hängt von der konkreten Vereinbarung ab. In manchen Fällen wird der Krisenmanager als zusätzliches Organ eingesetzt, in anderen Fällen berät er die bestehende Geschäftsführung, ohne selbst formale Organfunktion zu übernehmen.
- Welche Qualifikationen sollte ein Krisenmanager mitbringen?
- Relevant sind in der Regel betriebswirtschaftliche Erfahrung, Kenntnisse im Sanierungs- und Insolvenzumfeld sowie Verhandlungsgeschick im Umgang mit Banken und Gläubigern. Je nach Branche kann zusätzliches Fachwissen sinnvoll sein.
- Was kostet der Einsatz eines Krisenmanagers?
- Die Kosten variieren je nach Umfang, Dauer und Komplexität des Einsatzes deutlich und sollten im Vorfeld konkret vereinbart werden. Pauschale Angaben sind hier nicht seriös möglich.
Fazit
Ein Krisenmanager übernimmt in wirtschaftlich schwierigen Phasen eine steuernde und stabilisierende Funktion, ersetzt aber nicht die grundsätzliche unternehmerische Verantwortung der Geschäftsführung. Der richtige Zeitpunkt und die passende Konstellation aus internem und externem Wissen sind entscheidend für den weiteren Verlauf.
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Quellen & weiterführende Informationen
Fachliche Prüfung: Dr. iur. Harald A. Schmidt – Unternehmenskrisen, Restrukturierung, Insolvenzbegleitung. Zuletzt aktualisiert am 24. August 2026.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick zum österreichischen Rechts- und Wirtschaftskontext und stellt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung dar. Die Beurteilung eines Einzelfalls erfordert eine Prüfung der konkreten Umstände; bei komplexen rechtlichen Fragen ist gegebenenfalls zusätzliche anwaltliche Beratung erforderlich.
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