Restrukturierung & Krisenmanagement
Welche Kosten kann ein Unternehmen in der Krise sofort reduzieren?
Autor / fachlich geprüft von Dr. iur. Harald A. Schmidt
Veröffentlicht am 09. Juli 2026 · Zuletzt aktualisiert am 24. August 2026 · Lesezeit 8 Minuten
In der Unternehmenskrise lassen sich verschiedene Kostenblöcke kurzfristig anpassen, ohne die langfristige Substanz des Unternehmens zu gefährden – wichtig ist eine differenzierte Herangehensweise.
Kurze Antwort
In einer Unternehmenskrise können unter anderem variable Kosten, nicht betriebsnotwendige Ausgaben, bestimmte Vertragskosten sowie Personalkosten kurzfristig angepasst werden. Wichtig ist, zwischen Maßnahmen mit sofortiger Wirkung und solchen mit mittelfristigem Effekt zu unterscheiden, damit die Substanz und Handlungsfähigkeit des Unternehmens nicht gefährdet werden. Eine sorgfältige Priorisierung ist entscheidend.
Kurz erklärt
- Nicht jede Kostenreduktion wirkt sofort liquiditätswirksam
- Variable Kosten lassen sich meist schneller anpassen als Fixkosten
- Personalmaßnahmen sollten sorgfältig und rechtlich korrekt geprüft werden
- Verhandlungen mit Vermietern und Lieferanten sind oft ein rascher Hebel
- Kostensenkung darf die langfristige Wettbewerbsfähigkeit nicht untergraben
Kosten reduzieren in der Unternehmenskrise: Grundprinzip
Wenn Unternehmen in eine wirtschaftliche Krise geraten, steht häufig die Frage im Raum, welche Kosten sich kurzfristig reduzieren lassen, um die Liquidität zu entlasten. Wichtig ist dabei, nicht wahllos zu kürzen, sondern zwischen kurzfristig wirksamen Maßnahmen und Eingriffen zu unterscheiden, die die langfristige Substanz des Unternehmens gefährden könnten.
Eine strukturierte Vorgehensweise beginnt mit einer vollständigen Übersicht aller Kostenpositionen und einer Bewertung, wie schnell und wie stark sich einzelne Positionen anpassen lassen, ohne die Betriebsfähigkeit zu beeinträchtigen.
Kostenblöcke mit kurzfristigem Einsparpotenzial
Bestimmte Kostenarten lassen sich in der Regel schneller anpassen als andere, weil sie nicht durch langfristige Verträge oder gesetzliche Vorgaben fixiert sind.
- Nicht betriebsnotwendige Ausgaben wie Repräsentationskosten oder Weiterbildungen mit geringer Priorität
- Externe Dienstleistungen und Beratungsleistungen ohne unmittelbaren Krisenbezug
- Marketing- und Werbeausgaben mit unklarer kurzfristiger Wirkung
- Lagerbestände und Materialeinkauf, soweit betrieblich vertretbar
- Reise- und Repräsentationskosten
Kostenblöcke, die sorgfältiger geprüft werden müssen
Andere Kostenpositionen erfordern eine vorsichtigere Herangehensweise, da unbedachte Einsparungen langfristig mehr schaden als nutzen können. Dazu zählen insbesondere Personalkosten, Mietverhältnisse und Investitionen in die Betriebssicherheit oder Qualität.
Personalmaßnahmen sind zudem rechtlich anspruchsvoll und sollten stets im Einklang mit arbeitsrechtlichen Vorgaben geprüft werden. Auch Mietverhältnisse lassen sich häufig eher durch Verhandlungen über Stundungen oder angepasste Konditionen als durch abrupte Kündigungen anpassen.
| Kostenblock | Umsetzungsgeschwindigkeit | Prüfaufwand |
|---|---|---|
| Nicht betriebsnotwendige Ausgaben | Sehr schnell | Gering |
| Externe Dienstleistungen | Schnell | Gering bis mittel |
| Miete/Pacht | Mittel (Verhandlung) | Mittel |
| Personalkosten | Mittel bis langsam | Hoch (arbeitsrechtlich) |
Verhandlungen mit Lieferanten und Vermietern
Neben der Reduktion eigener Kosten kann auch die aktive Kommunikation mit Vertragspartnern kurzfristig Entlastung bringen. Viele Lieferanten und Vermieter sind bei transparenter Kommunikation und einem nachvollziehbaren Sanierungskonzept eher bereit, über Zahlungsziele, Ratenzahlungen oder temporäre Anpassungen zu verhandeln, als eine Geschäftsbeziehung ganz zu verlieren.
Praxisbeispiel
Beispiel aus der Praxis: Einzelhandelsunternehmen
Ein kleines Einzelhandelsunternehmen stand nach rückläufigen Umsätzen unter erheblichem Kostendruck. Zunächst wurden nicht betriebsnotwendige Ausgaben wie Marketingmaßnahmen ohne klaren Umsatzbezug gestoppt und der Wareneinkauf an die tatsächliche Nachfrage angepasst.
Parallel dazu wurde mit dem Vermieter über eine temporäre Mietanpassung verhandelt. Personalmaßnahmen wurden bewusst erst nach sorgfältiger rechtlicher Prüfung in Betracht gezogen, um kurzfristige Einsparungen nicht auf Kosten langfristiger Handlungsfähigkeit zu erzielen.
Anonymisiertes, verallgemeinertes Beispiel zur Veranschaulichung. Jeder Fall ist individuell zu beurteilen.
Was sollten Sie jetzt tun?
- 01Erstellen Sie eine vollständige Übersicht aller laufenden Kostenpositionen
- 02Priorisieren Sie Maßnahmen nach Umsetzungsgeschwindigkeit und Risiko
- 03Prüfen Sie Personalmaßnahmen ausschließlich mit rechtlicher Begleitung
- 04Suchen Sie aktiv das Gespräch mit Vermietern und Lieferanten
- 05Beobachten Sie die Wirkung der Maßnahmen laufend über die Liquiditätsplanung
Häufige Fragen zu diesem Thema
- Welche Kosten sollten in der Krise zuerst geprüft werden?
- In der Regel bieten nicht betriebsnotwendige Ausgaben und externe Dienstleistungen ohne direkten Krisenbezug die schnellsten und risikoärmsten Einsparpotenziale.
- Sind Personalkosten immer der erste Ansatzpunkt?
- Nein, Personalmaßnahmen sind rechtlich anspruchsvoll und sollten erst nach sorgfältiger Prüfung anderer Kostenblöcke und mit entsprechender rechtlicher Begleitung in Betracht gezogen werden.
- Wie spricht man Vermieter oder Lieferanten auf Kostenanpassungen an?
- Am erfolgversprechendsten ist meist eine transparente, frühzeitige Kommunikation mit einem nachvollziehbaren Sanierungskonzept, das die eigene Situation und den vorgeschlagenen Lösungsweg verständlich darstellt.
- Kann zu starkes Kostensenken schaden?
- Ja, wenn wichtige Investitionen, Qualitätsstandards oder Schlüsselpersonal betroffen sind, kann übertriebenes Sparen die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gefährden.
- Wie hängen Kostenreduktion und Liquiditätsplanung zusammen?
- Die Liquiditätsplanung zeigt auf, welche Kostenmaßnahmen tatsächlich notwendig und wirksam sind, und ermöglicht eine laufende Erfolgskontrolle der eingeleiteten Einsparungen.
Fazit
Kosten in der Unternehmenskrise zu reduzieren, erfordert eine differenzierte und gut durchdachte Vorgehensweise statt pauschaler Kürzungen. Wer zwischen schnell wirksamen und substanziell risikoreichen Maßnahmen unterscheidet, sichert kurzfristige Liquidität, ohne die langfristige Handlungsfähigkeit zu gefährden.
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Quellen & weiterführende Informationen
Fachliche Prüfung: Dr. iur. Harald A. Schmidt – Unternehmenskrisen, Restrukturierung, Insolvenzbegleitung. Zuletzt aktualisiert am 24. August 2026.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick zum österreichischen Rechts- und Wirtschaftskontext und stellt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung dar. Die Beurteilung eines Einzelfalls erfordert eine Prüfung der konkreten Umstände; bei komplexen rechtlichen Fragen ist gegebenenfalls zusätzliche anwaltliche Beratung erforderlich.
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Ob Restrukturierung oder ein Insolvenzverfahren der passende Weg ist, hängt vom Grad der wirtschaftlichen Krise, der Liquiditätslage und den rechtlichen Voraussetzungen ab.
Was macht ein Krisenmanager in einem Unternehmen?
Ein Krisenmanager analysiert die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens, entwickelt Sanierungsmaßnahmen und begleitet deren Umsetzung, um die Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.
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