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Geschäftsführung & Unternehmensverkauf

Was ist ein Krisengeschäftsführer?

Autor / fachlich geprüft von Dr. iur. Harald A. Schmidt
Veröffentlicht am 01. Oktober 2025 · Zuletzt aktualisiert am 20. Dezember 2025 · Lesezeit 7 Minuten

Ein Krisengeschäftsführer ist eine erfahrene Führungsperson, die gezielt zur Bewältigung wirtschaftlicher Krisensituationen in einem Unternehmen eingesetzt wird.

Kurze Antwort

Ein Krisengeschäftsführer ist eine Führungskraft, die speziell zur Steuerung von Unternehmen in wirtschaftlichen Krisensituationen eingesetzt wird. Er bringt typischerweise Erfahrung in Sanierung, Restrukturierung und Verhandlungen mit Gläubigern mit und übernimmt in dieser Funktion die volle Verantwortung der Geschäftsführung, meist mit dem klaren Ziel der Stabilisierung oder geordneten Neuausrichtung des Unternehmens.

Kurz erklärt

  • Ein Krisengeschäftsführer wird gezielt für Sanierungssituationen eingesetzt
  • Er übernimmt die volle Verantwortung der Geschäftsführung
  • Typische Aufgaben sind Liquiditätssteuerung und Gläubigerverhandlungen
  • Der Einsatz erfolgt häufig befristet und zielorientiert
  • Fachliche Erfahrung in Sanierungssituationen ist entscheidend für den Erfolg

Definition: Was ein Krisengeschäftsführer ist

Ein Krisengeschäftsführer ist eine Person, die gezielt dafür eingesetzt wird, ein Unternehmen durch eine wirtschaftlich schwierige Phase zu führen. Anders als bei einer regulären Geschäftsführerbestellung liegt der Fokus von Beginn an auf der Bewältigung einer akuten Krisensituation.

Häufig verfügen Krisengeschäftsführer über spezifische Erfahrung in der Sanierung von Unternehmen, im Umgang mit Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung sowie in Verhandlungen mit Banken, Finanzamt, ÖGK und weiteren Gläubigern.

Typische Aufgaben eines Krisengeschäftsführers

Zu den zentralen Aufgaben zählt zunächst die Erstellung einer belastbaren Übersicht über die aktuelle Liquiditätssituation sowie eine realistische Einschätzung der Sanierungsfähigkeit des Unternehmens. Darauf aufbauend werden konkrete Maßnahmen zur Stabilisierung entwickelt.

Darüber hinaus übernimmt der Krisengeschäftsführer häufig die Kommunikation mit wichtigen Gläubigern, koordiniert interne organisatorische Veränderungen und begleitet gegebenenfalls die Vorbereitung eines Sanierungsverfahrens.

  • Analyse der aktuellen Liquiditäts- und Vermögenslage
  • Entwicklung eines realistischen Sanierungskonzepts
  • Verhandlungen mit Gläubigern, Banken und Behörden
  • Steuerung notwendiger organisatorischer Anpassungen
  • Vorbereitung eines möglichen Sanierungsverfahrens

Abgrenzung zu anderen Rollen

Ein Krisengeschäftsführer unterscheidet sich von einem klassischen externen Berater dadurch, dass er die formelle Geschäftsführerfunktion übernimmt und damit auch die volle rechtliche Verantwortung trägt. Ein Berater hingegen unterstützt in der Regel ohne eigene Vertretungsbefugnis.

Auch zu einem regulären, dauerhaft bestellten Geschäftsführer besteht ein wesentlicher Unterschied: Der Einsatz eines Krisengeschäftsführers ist meist zeitlich begrenzt und auf konkrete Sanierungsziele ausgerichtet.

Krisengeschäftsführer im Vergleich zu anderen Rollen
RolleRechtliche VerantwortungZeithorizont
Krisengeschäftsführervolle Geschäftsführerhaftungmeist befristet, zielorientiert
Externer Beraterkeine Vertretungsbefugnisprojektbezogen
Regulärer Geschäftsführervolle Geschäftsführerhaftungunbefristet

Wann der Einsatz eines Krisengeschäftsführers sinnvoll sein kann

Der Einsatz eines Krisengeschäftsführers kann insbesondere dann sinnvoll sein, wenn dem bestehenden Management die spezifische Erfahrung in Sanierungssituationen fehlt oder wenn eine neutrale, entscheidungsstarke Führung gefragt ist, um notwendige, aber unpopuläre Maßnahmen umzusetzen.

Ob dieser Schritt im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von der konkreten wirtschaftlichen Lage, der Unternehmensgröße sowie den bereits vorhandenen internen Kompetenzen ab und sollte individuell geprüft werden.

Praxisbeispiel

Beispiel aus der Praxis: Produktionsunternehmen mit Restrukturierungsbedarf

Ein mittelständisches Produktionsunternehmen mit sinkenden Margen und steigenden Verbindlichkeiten entschied sich, für die Dauer eines Sanierungsprozesses einen erfahrenen Krisengeschäftsführer einzusetzen. Dieser erstellte gemeinsam mit dem bestehenden Team eine detaillierte Liquiditätsplanung.

Auf dieser Basis wurden Gespräche mit den wichtigsten Gläubigern geführt und interne Prozesse angepasst. Wie sich das Unternehmen langfristig entwickelte, hing von der Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen sowie externen wirtschaftlichen Faktoren ab.

Anonymisiertes, verallgemeinertes Beispiel zur Veranschaulichung. Jeder Fall ist individuell zu beurteilen.

Was sollten Sie jetzt tun?

  1. 01Prüfen, ob interne Kompetenzen für die Krisenbewältigung ausreichen
  2. 02Erfahrung und Referenzen potenzieller Krisengeschäftsführer sorgfältig prüfen
  3. 03Klare Zielsetzungen und Zeitrahmen für den Einsatz definieren
  4. 04Aufgaben und Befugnisse vertraglich eindeutig regeln
  5. 05Regelmäßige Abstimmung mit Gesellschaftern während des Einsatzes sicherstellen

Häufige Fragen zu diesem Thema

Ist ein Krisengeschäftsführer dasselbe wie ein Sanierungsberater?
Nein, ein Krisengeschäftsführer übernimmt die formelle Geschäftsführerfunktion mit voller rechtlicher Verantwortung, während ein Berater in der Regel ohne eigene Vertretungsbefugnis unterstützt.
Wie lange dauert der Einsatz eines Krisengeschäftsführers üblicherweise?
Die Dauer ist meist an konkrete Sanierungsziele geknüpft und kann je nach Situation unterschiedlich lange dauern, oft handelt es sich um einen befristeten Einsatz.
Haftet ein Krisengeschäftsführer wie ein regulärer Geschäftsführer?
Ja, mit der formellen Bestellung übernimmt ein Krisengeschäftsführer grundsätzlich dieselben gesetzlichen Pflichten und Haftungsrisiken wie jeder andere Geschäftsführer.
Für welche Unternehmensgrößen ist ein Krisengeschäftsführer sinnvoll?
Der Einsatz kann sowohl für kleine als auch für mittelständische Unternehmen sinnvoll sein, abhängig von der individuellen Situation und den vorhandenen internen Ressourcen.
Wie wird ein geeigneter Krisengeschäftsführer gefunden?
Wichtig sind einschlägige Erfahrung in Sanierungssituationen, Branchenkenntnis und nachvollziehbare Referenzen. Eine sorgfältige Auswahl ist entscheidend für den Erfolg des Einsatzes.

Fazit

Ein Krisengeschäftsführer kann in wirtschaftlich schwierigen Situationen wertvolle Erfahrung und klare Strukturen einbringen. Der Einsatz sollte jedoch stets auf die individuelle Situation des Unternehmens abgestimmt und sorgfältig vorbereitet werden.

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Fachliche Prüfung: Dr. iur. Harald A. Schmidt Unternehmenskrisen, Restrukturierung, Insolvenzbegleitung. Zuletzt aktualisiert am 20. Dezember 2025.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick zum österreichischen Rechts- und Wirtschaftskontext und stellt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung dar. Die Beurteilung eines Einzelfalls erfordert eine Prüfung der konkreten Umstände; bei komplexen rechtlichen Fragen ist gegebenenfalls zusätzliche anwaltliche Beratung erforderlich.

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